Tai Chi
“Auf der ganzen Welt gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser. Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt, kommt nichts ihm gleich. Es kann durch nichts verändert werden. Das Schwaches das Starke besiegt, weiß jedermann auf Erden. Aber niemand vermag danach zu handeln.” Laotse (78.Spruch)
Taijiquan (chin. Tai Ji – Höchstes, Letztes, Quan – Faust), im Deutschen oft ungenau übersetzt mit „Schattenboxen“, ist eine alte chinesische Bewegungskunst. Entstanden aus den Selbstverteidigungsformen der „Nei jia“ (Innere Schule) wurde das Taijiquan von jeher auch wegen seiner günstigen gesundheitlichen Wirkung ausgeübt.
Taijquan
Der Begriff „Tai Ji“ entstammt der daoistischen Philosophie und wird meist mit „das Höchste Letzte“ übersetzt. Die bezeichnet das oberste Prinzip, die undifferenzierte Einheit vor der Entstehung der durch Yin und Yang symbolisierten Zweiheit.
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich unterschiedliche Taiji-Stile entwickelt. Diese waren zunächst reine Familienstile und wurden erst innerhalb der letzten hundert Jahre öffentlich bekannt. Der Chen-Stil gilt als das älteste der überlieferten Taijiquan-Systeme. Neben dem Stil der Chen-Familie gibt es den Yang-, Sun- und Wu-Stil und weitere, weniger bekannte Familienstile. In den fünfziger Jahren wurde als Ableitung aus dem Yang-Stil die „Peking-Form“ entwickelt, die weniger kompliziert und daher leichter zu erlernen ist. Mit dieser Form konnte sich das Taijiquan rasch auf der ganzen Welt verbreiten.
Innerhalb des Taijiquan werden Bewegungen in einer festgelegten Abfolge, der sogenannten „Form“, fließend ausgeführt. Zusätzlich zu den Handformen gibt es in jedem Stil zahlreiche Waffenformen (z.B. Schwert, Säbel, Hellebarde, Stock, Fächer). Die Bewegungen sind stets weich, rund, spiralförmig und spiegeln eine innere Ruhe und Gelassenheit wieder. Keine Bewegung wird isoliert ausgeführt, vielmehr soll die Bewegung den ganzen Körper erfassen und vom Körpermittelpunkt, dem Unterbauch, gesteuert werden.
Die Weisheit der alten chinesischen Übungswege Taijiquan und Qigong kann einen wertvollen Beitrag zur Meisterung der persönlichen Lebens- und Arbeitssituation leisten. Sie muss allerdings an den westlichen Lebenshintergrund angepasst sein. Taijiquan als Übungsweg führt dann zur Wiederentdeckung des eigenen emotionalen Körpers, zum Kontakt mit dem „inneren Heiler“, der eigenen inneren und seelischen geistigen Tiefe, zur Ganzheit und zu neuen Sicht- und Handlungsweisen. Es führt durch regelmäßiges Üben zu mehr bewusstem Sein und zur Stärkung der Selbstheilungskräfte.
Taijiquan wirkt umfassend auf das gesamte körperlich-geistig-seelische Gleichgewicht des Menschen.
Auf körperlicher Ebene:
- Stressabbau, Lösung von Verkrampfungen und Verspannungen, vegetative Entspannung
- Der gesamte Bewegungsapparat wird durchgearbeitet. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke werden auf schonende Weise trainiert
- Die Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit wird verbessert, der Knochenbau wird gestärkt
- Die Vitalität wird gesteigert, chronische Krankheitsprozesse können aufgelöst und geheilt werden, die Verdauung wird verbessert und die Immunabwehr gestärkt
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen bessern sich
- Die Vertiefung der Atmung trägt zur Heilung von Bronchitis, Asthma und Lungentuberkulose bei
- Der Energiefluss im Körper wird wiederhergestellt
- Der Alterungsprozess wird verlangsamt
Auf seelischer Ebene:
- Psychische Ausgeglichenheit wird gefördert
- Ängste können reduziert, gelindert und aufgelöst werden
- Die Atmung wird vertieft, Nervosität und Erschöpfung werden abgebaut
Auf geistiger Ebene:
- Der Geist wird ruhig, entspannt und leer und gewinnt an innerer Klarheit
- Das Denken gewinnt an Klarheit und Präzision
- Die eigene Lebensphilosophie verändert sich in Richtung Gelassenheit, im Hier und Jetzt zu sein, achtsamer mit den Menschen und der Natur umzugehen und mehr Lebensmut und Lebendigkeit zu entwickeln
Wichtige Taiji-Prinzipien sind Achtsamkeit, Sanftheit, Loslassen und Nachgeben.
Bei der Ausübung von Taijiquan wird auf „das ruhige Herz und die Führung durch den Willen“ besonders großen Wert gelegt. Dies bedeutet, dass man ruhig und gelassen sein und mit voller geistiger Aufmerksamkeit die Bewegung ausführen soll.









