Lung Chuan Fa Kempo

Lung Chuan Fa Kempo ist ein moderner Kampfsport und eine traditionelle Kampfkunst in einem. Und eigentlich trägt es einen viel zu langen Namen …

Geschichte

Lung Chuan Fa Kempo basiert auf den traditionellen Kempo-Kampfkünsten, die über China und Okinawa nach Japan kamen. Direkt ableiten kann man Lung Chuan Fa Kempo vom heutigen Shaolin Kempo von Großmeister Meijers, der noch heute in Holland lebt.

Über den alten Herren existieren etliche, teils amüsante Geschichten. Und offensichtlich hat Dschero Khan, so nennt er sich auch, eifrig an der Legendenbildung mitgestrickt. So führt er seine Abstammung tatsächlich bis auf Dschingis Khan zurück, sieht sich selber als ein Prinz mongolischer Abstammung (wobei Mongolen gar keine Monarchie europäischer Prägung kennen …).

Sei’s drum, Gerard Karel Meijers blickt mit Sicherheit auf eine abwechslungsreiche und abenteuerliche Lebensgeschichte zurück. Sicher scheint, dass er in der Mongolei geboren wurde und dann tatsächlich in Indonesien in einem Waisenhaus gelebt hat.

Er wurde von einem holländischen General namens Cornelius Meijers adoptiert, daher sowohl der Bezug zu Holland als auch sein bürgerlicher Name.

Meijers wurde von zahlreichen Stilarten inspiriert, trainierte unter anderem verschiedene Karatestile, aber auch chinesische und indonesische Kampfkünste. Seit etwa 1950 lebt der Kampfkünstler in Holland. Das ist auch heute noch eine der Hochburgen fernöstlicher Kampfkünste, denn nach wie vor leben viele Nachfahren aus den ehemaligen Kolonien Südostasiens in dem kleinen Land an der Nordsee.

In Holland traf Meijers auf das aus Indonesien stammende Kun Tao. Kun Tao ist eine Mischung aus südchinesischen Kung-Fu-Stilen und indonesischen Elementen. Es zeichnet sich vor allem durch tiefe Stände und fließende Bewegungen aus. Kun Tao im Macan- („Tiger-“) Stil wurde von Meister („Paatje“) Carel Faulhaber, ebenfalls indonesischer Abstammung, unterrichtet. Faulhaber war, wie Meijers, Angehöriger der holländischen Streitkräfte und Vorgesetzter von Meijers. Zunächst unterrichtete Faulhaber nur seine Familienangehörigen, begann dann aber, auch Nicht-Verwandte zu trainieren. Einer davon war der junge Gerard Karel Meijers.

Etwa drei Jahre lang trainierten die beiden Kampfsportler gemeinsam. Meijers erwies sich zunächst aufgrund seiner Kampfkunsterfahrung als die ideale Wahl, um den neuen Stil nach außen hin zu vertreten. Die beiden änderten den Namen in Shaolin Kempo. Um im damals größten Kampfsportverband aufgenommen zu werden, lehnten sie den Stil mit seinen Bezeichnungen und Prüfungsordnungen eng an das japanische System an, welches zu der Zeit das einzig anerkannte in Holland war.

Doch nach einigen Jahren trennte sich die beiden Kampfkunst-Pioniere. Meijers näherte seinen Stil weiter den eher harten japanischen Karate-Stilen an, gründete neue Dojos und gab auch Gastauftritte diesseits der deutschen Grenze, vor allem am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Hier gibt es auch heute noch Dojos, die sich in direkter Abstammung seines Wirkens verstehen.

Hermann Scholz aus Kleve und Hans Stresius aus Duisburg-Rheinhausen, heute in Kamp-Lintfort, waren die ersten deutschen Schüler, die sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland bei Sifu Meijers trainieren konnten. Auch Rainer Franzolet aus Kevelaer („Kwoon Do“) war Schüler von Sifu Meijers.

Lippe bekam gleich zwei Kempo-Strömungen mit. Zum einen brachte Richard Claase, ein gebürtiger Indonesier und Soldat bei den niederländischen Streitkräften, das Shaolin Kempo von Sifu Meijers mit. Claase war direkter Schüler von Meijers in Holland und gründete in Blomberg ein Dojo. Der Stil verbreitete sich, wobei er stets leichte Veränderungen und neue Namen erhielt. Neben Lung Chuan Fa Kempo im Kalletal gibt es Dojos in Augustdorf, Bösingfeld, Pottenhausen, Schieder, Leopoldshöhe, Lage, Detmold sowie Bad Pyrmont und Steinheim.

Wie in den letzten Jahrhunderten in allen lebendigen Kampfkünsten üblich erfuhr auch das Shaolin Kempo immer neue Veränderungen durch seine jeweils Aktiven. Der gebürtige Waliser Marc Richards war Angehöriger der britischen Streitkräfte in Lippe. Richards brachte bereits ein reiches Grundwissen im Bereich Kung Fu mit. Im Kalletal fand er beim Shaolin Kempo Hadaka und Meister Weidemann Anschluss und trainierte hier und dann im Blomberger Dojo, wo er mit dem eher harten Stil der Meijers-Richtung in Berührung kam. 1994 gründete er seine eigene Lung Chuan Fa Kempo-Gruppe im Budo SV. Nach 10 Jahren verließ er den Verein und gründete das Kempo Dojo Kalletal, in dem er heute als Großmeister seinen neuen Stil, das Dragon Fist Kempo unterrichtet.

Witalli Reingard war Meisterschüler von Richards. Er übernahm ganz offiziell 2004 die Leitung des Lung Chuan Fa Kempo. Der Kalletaler wird inspiriert durch ganz verschiedene Kampfkünste. So bringt er Einflüsse sowohl von Stockkampfarten wie Escrima und Kali als auch Bewegungen des brasilianischen Kampftanzes Capoeira oder Elemente der chinesischen Kampfkunst Wing Chun mit ein. Er selber unterrichtet neben seiner Abteilung im Kalletal zudem im Dojo von Kempo-Großmeister Carsten Just und bringt auch von dort immer neue Anregungen mit. So bleibt Lung Chuan Fa Kempo eine lebendige und spannende moderner Kampfkunst mit ganz traditionellen Wurzeln.

Das Trainerteam

Geleitet wird die Lung Chuan Fa Kempo Abteilung von Witalli Reingard (3. Dan Kempo, Trainer Lizenz), seinem Bruder Roman Reingard (2. Dan Kempo, Trainer Lizenz), sowie Florian Kleemeier (1. Dan Kempo) und Fabian Hellweg (1. Dan Kempo). Durch dieses junge dynamische, motivierte und erfahrene Team gelingt ein abwechslungsreiches Training für Jedermann, das sich durch eine außergewöhnliche Gruppendynamik auszeichnet.

Trainingsinhalte

Aus den traditionellen Bereichen stammen Elemente wie die Schattenformen, Waffenformen und das Kumite mit Partnern. Der Formenlauf wird in Tai-Tsukus und Saifas unterteilt. Je höher der Lernende in seinem Streben kommt, desto mehr weiche Elemente werden in den Formen sichtbar.

Die klassische Bo- (Langstock-) Form erlernt schon der angehende Grüngurt. Später können weitere Waffen in ihrer Beherrschung erlernt werden. Das Kempo fußt ja vielfach auf Kampfkunstsystemen aus Okinawa, wo der Waffenkampf, Kobudo genannt, nach wie vor hohe Anerkennung genießt.

Kumites sind Partnerformen, in denen festgelegte Angriffe mit ebenso festgelegten Kontern begegnet wird. Dies dient nicht nur der Kräftigung, sondern verinnerlicht Bewegungsabläufe, die später zu einem automatischen Reagieren auch im vermeintlichen Ernstfall oder in sportlichen Wettkämpfen führen sollen.

Der Selbstverteidigung kommt eine große Bedeutung zu. Hier werden nicht nur wirkungsvolle Hebel und Würfe, Tritte und Schläge gelehrt, sondern auch besonders auf die Verhältnismäßigkeit einer Verteidigung Wert gelegt. Lung Chuan Fa Kempo besitzt ein breites Repertoire an passenden Techniken, um nahezu jeder Situation passend begegnen zu können.

Bodenkampf und Fallschule sind elementare Bestandteile einer Kampfkunst. Während ersteres nicht nur Kraft trainiert und Spaß macht, sondern auch hervorragend zur Selbstverteidigung geeignet ist, kommt der Fallschule auch im täglichen Leben große Bedeutung zu. Auch der Sturz von Skateboard, Fahrrad oder Motorrad lässt sich besser kontrollieren, wenn das eingeübte Abrollen automatisch klappt.

Der Freikampf ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern schult noch einmal in der freien Bewegung, ob die Technik wirklich sitzt.

Der zu lange Name

Kempo ist die japanische Bezeichnung für Chuan Fa, welches das chinesische Wort für Kampfkünste ist. Beide haben sogar die gleichen Schriftzeichen. Insofern ist eigentlich eine der beiden Begriffe doppelt.

Lung ist das chinesische Wort für Drachen. Also trainieren wir den Drachenstil des Kempo.